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part 1

16. April 2007

 

Kennen Sie Flora? Sie ist bei uns im biberbau die Klügste, soviel ist sicher. Nur, ganz im Vertrauen, es ist nicht immer leicht mit ihr. Neulich zum Beispiel. Da hat sie gesagt, sie schmeisst alles hin und wir sollen uns unseren Dreck alleine machen. Und es war ihr tatsächlich ernst damit. Das andauernde Stämmezernagen ödet sie an, hat sie gesagt, Stämmezernagen und daraus einen biberbau und dann noch einen und dann weiter unten am Fluss noch einen bauen, da macht sie nicht mehr mit, hat sie gesagt und wir sollen uns eine andre Blöde suchen. Und alles nur, weil unser Cousin Franz angekommen ist. Wir sind uns alle einig gewesen, Cousin Franz braucht eine Bleibe, einen eigenen biberbau, und alle helfen mit, damit es schnell geht, das verlangt die Familienehre. Bei Cousin Franz steht nämlich Nachwuchs ins Haus. Zu Tränen gerührt war er, weil wir alle dagestanden sind wie ein Mann und unsere Hilfe zugesagt haben. Bis auf Flora, das muss einmal gesagt sein. Stämmezernagen, biberbau bauen, in Zukunft ohne sie, hat sie gesagt und dass sie für entfernte Verwandte keinen Finger mehr rührt. Unser Ältester hat sie beiseite genommen und ihr unmissverständlich klargemacht, dass er bestimmt, wos langgeht, und dass sie sich, wenn sie im biberbau bleiben möchte, zu benehmen hat. Wissen Sie, was die Folge war? Flora ist ausgezogen. Das hat es seit Bibergedenken nicht mehr gegeben. Mehrere Wochen hat sie mutterseelenallein unter einem Baumstamm gewohnt und alle Versuche, sie in unseren biberbau zurückzuholen, waren vergeblich Dann, eines Tages haben unsere beiden Jüngsten, Siri und Sam, Cousin Franz dabei beobachtet, wie er unter Floras Baumstamm geschlüpft ist. Siri und Sam, haben abends, als wir alle in grosser Runde, wie es eben bei uns üblich ist, in aller Unschuld davon erzählt, dass Onkel Franz in Tante Floras Unterschlupf gekrochen ist. Was will er dort, hat Siri gefragt, warum bleibt er nicht bei seinen vielen kleinen Kindern, die er gerade letzte Woche gekriegt hat? Wir Erwachsenen haben uns bedeutungsvolle Blicke zugeworfen und Siri ein Stück Weidenrinde ins Mäulchen geschoben. Ein buntes Stück fabric hat Onkel Franz im Maul gehabt und in Tante Floras Unterschlupf getragen, hat Sam gesagt, ganz rund ausgeschnitten und glatt und schön, so wie man es bei uns im Biberbau sonst gar nie sieht. Was machen die da drüben, hat er gefragt, Aber wir haben auch ihn mit einem Stück Weidenrinde ruhig gestellt und wenig später ist ohnehin Schlafenszeit für die Kleinen gewesen. Wir Erwachsenen haben uns zu Beratungen zurückgezogen, sind aber zu keinem Ergebnis gekommen. Was geht da vor sich, hat unser Ältester gesagt und fragend in die Runde geschaut, hat jemand eine Erklärung? Aber wir alle haben bloss den Kopf geschüttelt und uns daran erinnert, dass Floras Benehmen seit jeher Anlass zum Kopfschütteln gegeben hat. Sie ist zu klug für ein Leben im Biberbau, hat auch unser Ältester seufzend gesagt, aus Flora hätte ohne weiteres was ganz Besonderes werden können.
Neulich sind Täschchen aus bunten Stoffen auf unserem wöchentlichen Markt aufgetaucht. Soll Floras Idee sein, hat mir Schwester Madeleine zugeflüstert, sie ist das ewige Braun- und Schlammtöne im Biberbau leid, und will etwas colour in unseren Alltag bringen. Und Cousin Franz geht ihr dabei zur Hand, er ist weitgereist und mit allen Wassern gewaschen und weiss, worauf es ankommt, hat Madeleine gesagt. Dann hat sie sich eine besonders bunte Tasche aus einem zugegeben sehr schönen, weichen fabric ausgesucht, bar bezahlt und stolziert damit jetzt von morgens bis abends unsere Hauptstrasse auf und ab. Das Geschäft von Flora und Cousin Franz floriert und gerade gestern haben sie ein grosses Schild über Floras Baumhöhle angebracht. Nur leider ist die Schrift etwas klein geraten und man muss seine Augen sehr anstrengen um die Aufschrift lesen zu können. Wissen Sie, wie die beiden ihre Werkstatt, or: was immer das sein soll nennen? bettina biberbau. Wie finden Sie das? Warum nicht Flora und Franz Biberbau, hat die vorlaute Siri gefragt und ist von unserem Ältesten sogleich zur Ordnung gerufen worden. Die Kinder schweigen in der Gemeinschaft, hat er gesagt, Siri mit dem Finger gedroht und ihrer Mutter einen vorwurfsvollen Blick zugeworfen. bettina biberbau also. Der Ältestenrat wird morgen zusammenkommen und beraten, was jetzt weiter zu tun ist. Dass die jetzige Situation unhaltbar ist, liegt klar auf der Hand. Flora und Franz, die beiden Abtrünnigen, müssen in den Schoß der Grossfamilie zurückgeholt werden, soviel steht fest. Wie das allerdings zu bewerkstelligen ist, darüber gehen die Meinungen auseinander. Ich für meinen Teil bin schon gespannt, was unsere Ältesten beschließen werden. Alles ist möglich. Bis nächstens dann also, Sie hören von mir.

   

 

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